Chili-con-Carne
Essen

Liegt der Chili-con-Carne-Index mit der Inflation richtig?

Vor einigen Monaten erregte der sogenannte Chili-con-Carne-Index Aufsehen. Es handelt sich dabei um einen veränderten Warenkorb, nach dem die Entwicklung der Inflation bemessen wird. Die Wissenschaftler der Universität Hohenheim haben dabei die Zutaten des beliebten Gerichts für die Messung der Höhe der Inflation herangezogen. Diese scheinen für diesen Zweck geradezu ideal zu sein. Sie enthalten alle Lebensmittel des täglichen Bedarfs. Gemüse und Fleisch sind nun einmal die wesentlichen Bestandteile unserer Ernährung. Mit diesem etwas anderen Preisindex haben die Erfinder Jan Swiatkowski und Marius Puke schon vor einiger Zeit darauf hingewiesen, dass die Inflation deutlich höher ist, als angenommen. Nun gibt der Chili-con-Carne-Index allerdings Entwarnung.

Deutlicher Rückgang der Inflation

Zuletzt waren die Preise von Lebensmitteln im Frühjahr deutlich angestiegen. Dieser Trend ist nun offenbar zu einem Ende gekommen. Glaubt man dem ungewöhnlichen Index, dann haben sich die Kosten für den Einkauf von Produkten des täglichen Bedarfs beim Essen stabilisiert. Das sind gute Nachrichten für die geplagten Konsumenten. Doch bei diesem Trend könnte es sich nur um eine vorläufige Beruhigung der Lage handeln. Möglicherweise stehen die nächsten Preissprünge schon kurz bevor.

Der Grund für die zuletzt gesunkene Preise von Lebensmitteln in Deutschland könnte auch in der Mehrwertsteuersenkung liegen. Diese wurde von der Deutschen Bundesregierung beschlossen, um der Wirtschaft in der aktuell schwierigen Lage weiterzuhelfen und gleichzeitig die Konsumlaune der Bevölkerung zu stimulieren. Diese Senkung der Steuer wird vom Handel zum größten Teil an die Bevölkerung weitergegeben und kommt damit genau dort an, wo sie helfen soll. Gleichzeitig sollte diese Maßnahme dem Handel zu höheren Umsätzen verhelfen. Das hatte zur Folge, dass die Preissteigerungsrate sogar ins Negative gerutscht ist. Das bedeutet, dass die Preise mancher Lebensmittel zurückgegangen sind. Doch jetzt von einer Entwarnung zu sprechen, wäre voreilig. Die Gefahr einer starken Inflation ist noch nicht gebannt. Sie könnte jederzeit wieder aufflackern. Gründe dafür gäbe es genug.

7,5 % Steigerung im Mai

Um hier genau nachmessen zu können, haben die Wissenschaftler der Universität Hohenheim den Chili-con-Carne-Index erschaffen. Er soll im Gegensatz zur offiziellen Inflationsmessung die gefühlte Inflation darstellen. Dabei handelt es sich um jene Preissteigerungen, die Mensch in ihrem Alltag erfahren. Der Warenkorb des ungewöhnlichen Index umfasst insgesamt 70 verschiedene Zutaten, die man zum Kochen des Gerichts Chili con Carne nutzen kann. Er zeigte bereits ab Februar dieses Jahres eine kräftige Steigerung der Preise an. Den Höhepunkt der Inflation wurde im Monat Mai gemessen. Damals betrugen die Preise rund 7,5 Prozent mehr, als noch im Februar desselben Jahres. Diese Spitze ist zwar unterdessen überwunden, doch die Inflation beträgt aktuell immer noch drei Prozent. Saisonales Gemüse hat dazu beigetragen, dass sich die Höhe der Inflation wieder beruhigt hat. Die immense Nachfrage nach Gemüse im Februar und März dieses Jahres ließ damals die Preise nach oben schießen. Das ist nun vorbei, zumindest in diesem Bereich hat sich die Nachfrage und damit auch der Preis stabilisiert.

Nachfragerückgang oder Mehrwertsteuersenkung?

Dabei sind sich die Experten noch nicht einig darüber, ob es sich bei diesem Effekt ausschließlich um den Rückgang der Nachfrage, oder nicht auch um den Effekt der Mehrwertsteuersenkung handelt. Dies lässt sich im Detail noch nicht ergründen, doch es gibt deutliche Hinweise auf den Effekt. Dieser wurde anhand der Preisentwicklung bei Online-Händlern ermittelt. Als die Steuersenkung in Kraft trat, kamen die Preise in diesem Bereich sofort in Bewegung. Die Ersparnis ging zum größten Teil direkt an den Konsumenten, der dadurch profitierte.

Diese Erkenntnis deckt sich mit einer Studie des Online-Vergleichsportals idealo. Dieses hat bereits im Juli festgestellt, dass die Preise nach der Senkung der Mehrwertsteuer in Deutschland um fast zwei Prozent nachgaben. Basis der Untersuchung waren damals rund 2,5 Millionen Produkte und über 1.700 Kategorien. Dieser Schub zeigte sich auch in den offiziellen statistischen Zahlen. Die Inflationsrate war im Juli mit -0,1 Prozent leicht negativ. Ein Monat zuvor hatte sie noch 0,9 Prozent betragen, Anfang des Jahres lag sie mit 1,7 Prozent auf dem üblichen Niveau.

Saisonales Gemüse

Wie geht es weiter?

Doch diese Entwarnung könnte verfrüht sein. Ein deutlicher Hinweis auf eine andere Einschätzung der Situation liefern derzeit die Kurse von Gold an den Finanzmärkten. Gold ist seit jeher ein guter Indikator für eine anrollende Inflation. Zuletzt explodierten die Preise je Unze Gold auf neue historische Höchstwerte. Diese sind zwar in den letzten Tagen etwas zurückgegangen, liegen jedoch immer noch deutlich über den Werten von Beginn des Jahres 2020. Immerhin gilt Gold, als die klassische Fluchtwährung, in der die Anleger versuchen ihre Vermögenswerte zu schützen. Trotz Wirtschaftskrise steigen gleichzeitig die Kurse von Aktien deutlich an. Die Situation an den Finanzmärkten gleicht also verstärkt jener in einen Online Casino wie dem Poker Stars. Es wird heftig spekuliert. Jeder versucht seine Sicht der Dinge, als richtig zu verkaufen und hofft auf das richtige „Pferd“ gesetzt zu haben.

Ganz anders sehen amerikanische Ökonomen die Situation in Europa. Sie gehen davon aus, dass die Inflation in diesem Jahr bei 0,2 Prozent und im nächsten Jahr bei nur 0,4 Prozent zum Liegen kommt. Sie können dabei sogar nicht ausschließen, dass die Preissteigerungen noch niedriger ausfallen werden. Doch die befürchtete Pleitewelle im Herbst 2020 könnte alle Prognosen wieder auf den Kopf stellen. Immerhin könnte es zu einer Marktbereinigung kommen, die den verbleibenden Unternehmen wieder mehr Preissetzungsmacht verleiht. Gleichzeitig versuchen auch die Notenbanken mehr Inflation zu erzeugen, um die immensen Staatsschulden leichter abtragen zu können. Ob das tatsächlich angestrebt wird, sollte sich bald am Markt zeigen, wenn die amerikanische Notenbank Fed ihre Ziele öffentlich kommuniziert.