Der Chili-con-Carne-Index misst die Preisentwicklung bei Lebensmitteln
Essen

Der Chili-con-Carne-Index misst die Preisentwicklung bei Lebensmitteln

Die aktuelle Wirtschaftskrise lässt die Menschen wieder einen sorgenvollen Blick auf die Entwicklung der Preise werfen. Noch sind sich die Experten nicht einig, was da möglicherweise auf die Wirtschaft zukommt. Wird es eine verstärkte Inflation, eine Deflation oder gar eine Stagflation geben? Zur Messung dieser Entwicklungen wurden auch schon bisher Indizes eingesetzt.

Diese bestehen im Wesentlichen aus verschiedenen Lebensmitteln, die in einem Warenkorb zusammengefasst werden. Die Preissteigerungen oder Preissenkungen dieser Produkte ergeben zusammengerechnet die Inflation, die in Prozenten berechnet wird. Doch das, was sich Wissenschaftler von der Universität Hohenheim jetzt ausgedacht haben, ist neu. Jan Swiatkowski und Marius Puke haben den sogenannten Chili-con-Carne-Index entwickelt. Damit hält die scharfe Schote nun auch Einzug in die Welt der Wirtschaftswissenschaft.

Die beiden Wissenschaftler beobachten die Preisentwicklung von Lebensmitteln und sind davon überzeugt, dass die Gefahr einer starken Inflation noch immer unterschätzt wird. Sie gehen davon aus, dass die Vorkommnisse der letzten Monate die Teuerungsrate verzerrt hat und warnen davor noch mehr Geld zu drucken, um die Wirtschaftskrise in den Griff zu bekommen. Swiatkowski und Puke glauben, dass die bisher verwendeten Instrumente, aktuell nicht mehr dazu taugen, weil sie nicht mehr den statistischen Warenkorb abbilden.

Die Supermarktpreise stiegen an, die Inflation nicht

Erste Hinweise auf die Richtigkeit ihrer Theorie fanden sie im lokalen Supermarkt. Dort bemerkten sie einen deutlichen Anstieg der Preise für Lebensmittel. Aus der Idee entstand ein Projekt. Die Beiden begannen die Entwicklung zu dokumentieren. Dabei konzentrierten sie sich auf das Gericht Chili con Carne. Dieses besteht bekanntlich aus Hackfleisch und Gemüse, so entstand auch die Idee zum sogenannten Chili-con-Carne-Index. Sehr schnell stellten die Wissenschaftler dabei fest, dass die Preise für Lebensmittel zuletzt um rund 7,5 Prozent gestiegen waren. Dabei fiel die Teuerung für Fleisch gar nicht mal so stark ins Gewicht. Ausschlaggebend für den deutlichen Anstieg waren die Preise für das Gemüse. Die Paprika eroberte dabei mit einer Teuerung von 15 Prozent die Spitzenposition. Dahinter liegt der Mais mit Preisen, die um 14 Prozent höher waren, als noch im Februar. Selbst Tomaten stiegen seither um 13 Prozent an. Gleichzeitig wies die offizielle Statistik in Deutschland keinerlei nennenswerte Inflation aus.

Veränderter Warenkorb

Veränderter Warenkorb
Veränderter Warenkorb

Der Grund dafür liegt natürlich in den Produkten, die sich im Warenkorb des Inflationsindex befinden. Dieser Warenkorb umfasst eine Mischung aus Lebensmitteln, Benzin, Mieten und Dienstleistungsgütern. Er ist kein reiner Lebensmittelindex. Doch die Gesundheitskrise der letzten Monate hat das Konsumverhalten der Menschen deutlich verändert. Niemand gab mehr Geld für Konzerte, Reisen oder Benzin aus, dafür stieg der Bedarf an Lebensmitteln dramatisch an. Damit war für die beiden Wissenschaftler klar, dass die offizielle Teuerungsrate nicht mehr die Lebensrealität der Menschen abbildet. Schließlich trifft ein Anstieg der Lebensmittelpreise die Haushalte mit niedrigerem Einkommen besonders stark. Sie sehen in der derzeit stattfindenden Ausweitung der Geldmenge durch die Europäische Zentralbank die Gefahr einer weiteren Teuerung.

Chili con Carne drängte sich als Gericht im Warenkorb der Inflation geradezu auf. Dieses ist gerade bei Studenten mit wenig Geld besonders beliebt und enthält alle Lebensmittel des täglichen Bedarfs, wie Fleisch und Gemüse. Würde die vom Chili-con-Carne-Index aufgezeigte Preisentwicklung in Deutschland bis Ende des Jahres in dieser Form anhalten, dann muss das Land, laut den beiden Wissenschaftlern, von einer Preissteigerung von 3,8 Prozent auf das ganze Jahr gerechnet, ausgehen.

© 2020 Chili Blogger